Liebe Leserin und lieber Leser,
die Monatssprüche für Februar und März (s. S. 2), die uns durch die nächsten Monate begleiten, sind so kontrastreich wie das Leben. Im Februar der Blick auf die Lebensfreude, im März der Blick in die Trauer, hier das Lachen und dort das Weinen. Beglückendes und Bedrückendes direkt nebeneinander. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Im Februar ist Fasching, das Fest ausgelassener Lebensfreude mit der Lust, in andere Rollen zu schlüpfen und sich dafür zu verkleiden. Sicher nicht jedermanns Sache, aber doch etwas, das irgendwie zum Jahreskreis gehört, nicht nur im Rheinland.
Und der März ist der Monat, in dem wir auf die Passion Jesu zugehen, auf die Karwoche und das Osterfest in den ersten Tagen des April. So haben Trauer und Freude ihren Platz gefunden im Kirchenjahr, nicht nur auf dem Weg nach Ostern, aber hier vor allem.
Die Aufforderung zur Freude und zum Fröhlichsein aus dem 5. Buch Mose gehört in den Umkreis der jüdischen Erntedankfeste (Pessach, Schawuot und Sukkot), zielt am Ende aber vielmehr noch auf eine dankbare Lebenshaltung an allen Tagen des Jahres. Denn jeder Tag, den wir erleben dürfen, ist ein Ge schenk, das wir aus Gottes Hand empfangen.
Und ähnliches gilt für den Monatsspruch für den März. Er ist der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus entnommen. Jesus kommt ins Trauerhaus und sieht den toten Lazarus, den er sehr liebhatte (so heißt es wenige Verse vorher). Da weinte Jesus. So übersetzt es die Einheitsübersetzung wohl etwas genauer als unsere Lutherbibel. Jesus weint über den Tod eines Menschen, den er liebhatte. So wie wir weinen, wenn ein geliebter Mensch von uns geht und uns Trauer überfällt.
Das Weinen gehört zu unserem Leben wie das Lachen. Die Trauer zum Leben wie die Freude. Wir brauchen uns unserer Tränen nicht zu schämen und nicht unserer Freude. Sie gehören nicht nur zu uns Menschen, sie machen das Leben menschlich. Wir dürfen uns freuen am Leben und uns Mitfreuen am Glück anderer Menschen. Wir dürfen weinen in unseren Traurigkeiten und Mitweinen, wo wir von der Trauer anderer betroffen sind.
Trauer und Freude, Lachen und Weinen halten sich nicht an bestimmte Zeiten und Monate. Unsere Gefühle fragen uns nicht, ob und wann sie kommen und gehen dürfen. Aber wir dürfen sie zulassen, wenn sie kommen. Auch Weinen und Lachen sind eine Gabe Gottes. Und besonders beschenkt ist der Mensch, der auch über sich selbst Lachen und Weinen kann. Alles hat seine Zeit.
Ihr Pfarrer Michael Bornschein